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ZU INDIVIDUUM, LEBEN, KUNST UND GESELLSCHAFT

     
 


22.01.2017

Tyrannei der Inklusion (Teil 2)

Individuelles Leben kann es nur außerhalb der Gesellschaft geben

Ekann dann - unter den Bedingungen einer ent-stratifizierten und funktionsdifferenzierten Gesellschaftsorganisation - das Individualitätskonzept der Moderne lauten, wenn man es denn ernst nimmt? In der Moderne bekommen wir es in Absetzung von vorausgehenden Gesellschaftsformen mit diametral entgegengesetzten Umständen zu tun. Der nachhaltigste scheint zu sein, dass die funktional differenzierte Gesellschaft keine explizite verbindliche Regelung mehr für Inklusion kennt. Und noch viel weniger dafür, wie mit Exklusion umzugehen ist.

Analog zu pluraler Inklusion bekommen wir es mit den Optionen pluraler Exklusion zu tun. Das heißt, man überlässt die Entscheidung darüber den jeweils zuständigen Funktionssystemen. Umgekehrt ist dem einzelnen, physisch-psychischen Individuum eine Rekursion auf eine rein körperliche, physisch-emotionale Inklusion, beruhend allein auf seinem Dasein, ab sofort so gut wie versagt. Auf eine "Mitgliedschaft" (1) in der Gesellschaft, wie sie in Korporationen üblich ist, muss verzichtet werden. Dass dieser Sachverhalt lange Zeit unausgesprochen, relativ unscharf mitgeschleppt wurde liegt in der Regel daran, dass alle Klagen über diesen Verlust mit dem Metahinweis beantwortet wurden: Wir sind doch alle Menschen! Die Zugehörigkeit zu einer Spezies soll über die transzendente Obdachlosigkeit hinwegtrösten. Sie scheitert zuletzt zwangsläufig daran, dass sie eigentlich nur das Problem beim Namen nennt. Es ist nicht mehr klar, was die Gesellschaft mit Menschen anfangen soll?! Allein auf das "Menschsein" ist man zuletzt zurückgeworfen. Und das Problem soll die Lösung sein, angesichts einer Gesellschaft, die ihre Funktionsmechanismen darauf abstellt, dass sie ihre jeweiligen Subsysteme in Gang hält und dabei grundsätzlich von Menschen abstrahiert!

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