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17.03.17 Ewnährung unsere Religion
17.02.17 Eine Tote viele Verwundete
17.01.17 Amazon, übernehmen Sie!
   

 

Amazon, bitte übernehmen Sie!

von Jürgen Mick

Die Forbes-Liste gibt Auskunft über die mächtigsten Personen des Jahres. Und für 2016 listet sie bereits auf den Rängen Sieben und Acht die ersten Firmengründer: Bill Gates (Microsoft) auf Sieben, Larry Page (Google) auf Acht, gefolgt von Mark Zuckerberg (Facebook) Rang 10, Amazon-Chef Jeff Bazos auf 14 und Elon Musk (Tesla, SpaceX) schließlich auf Platz 21. Kreuzt man dieses Ranking mit der Frage, was wird das postnationale Zeitalter in Bezug auf unsere Gesellschaftsordnung bringen, werden die Gedanken mit einer gewissen Berechtigung in eine bestimmte Richtung gelenkt. Die Beantwortung der Frage, mit der sich Politikwissenschaftler bereits verstärkt widmen -, denn eines scheint klar, der Nationalstaat liegt in seinen letzten Zügen - kommt nicht umhin, sich mit der Macht und denen, die sie innehaben auseinanderzusetzen.

Wenn der Untergang droht, erheben sich zuerst diejenigen, die dafür sorgen wollen, alle Uhren zurück zu drehen und alles so zu belassen, wie es einmal war. So erlebt der Nationalismus unerwartet starke Wiederbelebung und Geopolitik gewinnt an neuer Relevanz, doch sind die ewig Gestrigen, die daran klammern, und das Alte erneuern zu wollen, eigentlich die besten Anzeichen dafür, dass ein Wandel bevorsteht. Es muss als Alternative zum Weg zurück, auch einen Weg nach vorn geben, allein, weil der zurück noch nie funktioniert hat!

Jede Rolle rückwärts - auch Revolution genannt - erzeugte bislang eine ungleich größere Ausdifferenzierung nach vorn, als sie sich deren Urheber je auszumalen gedachten. Sie verfehlte so gesehen stets ihr Ziel, das Alte zu reformieren. Man nehme nur die Re-formation oder auch die Französische Re-volution, und selbst Jesus stand nicht der Sinn nach Neuem, sondern nach einem Zurück zum echten jüdischen Glauben. Erst retrospektiv entwickelt dieses Missverständnis eine Tatsächlichkeit, die es erlaubt die "Revolutionäre" als Protagonisten einer Erneuerung zu glorifizieren. Das alles ist so missverständlich verdreht, dass der Begriff revolutionär heute in seiner gegenteiligen Bedeutung - als grundlegend neu - verwendet wird. In der Form zumeist jedoch nie im Ansinnen der Rückwärtsgewandten lag. Merke: Auslöser ist stets der Wunsch der Wiederherstellung des guten Alten!

Wenn das Echte beginnt zu verglimmen, dann meist, weil bereits neue Kräfte im "Untergrund" brodeln und kurz bevorstehen zu explodieren. Dann entflammt ein Reanimationsversuch - wie er jeder Revolution innewohnt - nicht einfach wieder das alte Feuer, er verhilft den "Innovatoren" im Hintergrund endlich offiziell ins Licht zu treten.

Was sagt uns insofern die Tatsache, dass Vertreter aus der Computertechnologie, der Wissensökonomie, der Öffentlichen Meinung, der Verbrauchsgüterhändler und der Mobilitäts- und Energietechnologie sich unter die einundzwanzig mächtigsten Menschen auf diesem Planeten zählen dürfen?

Es sieht so aus, als bildeten sie eine Phalanx, die gegen die vorderen Ränge vorrückt. Dort sind die Plätze der Mächtigsten der Welt obligatorisch vereinnahmt von regierenden Staatschefs. Während man dort die Tendenz zurück zu obsoleten Machtstrategien nationalistischer und geopolitischer Provenienz breit macht, kümmert man sich währenddessen bei den Vermarktungsstrategen auf ganz andere Art und Weise um das Wohl der Menschheit. Zumindest deutet das Vorrücken der Gewerbetreibenden im Ranking der Mächtigen alle Zeichen auf Wandel.

Ein Wandel, der darauf wartet, bis sich die Reptilien des letzten Jahrtausends gegenseitig in die Bedeutungslosigkeit buchsieren oder wahlweise sich und ihre Gefolge ins Jenseits bombardieren, was die verheerendste Möglichkeit wäre, - bis dato, mit Blick auf die Revolutionsgeschichte der Menschheit, leider auch die wahrscheinlichste.

Darum stellen Sie sich doch jetzt einfach mal diese fünf Fragen einer fiktiven Leserbefragung, die da lauten könnten:

1. Wer, glauben Sie, wird die Energiewende erfolgreich meistern, Elon Musk oder Donald Trump (Rang 2)?

2. Wer, glauben Sie, hat mehr Einfluss auf die Meinung der Leute, Mark Zuckerberg oder der Papst (Rang 5)?

3. Wer geht mit Ihren Menschenrechten verantwortungsvoller um, Bill Gates oder Vladimir Putin (Rang 1)?

4. Welcher Auskunft trauen Sie mehr, der von Larry Page oder der des Königs von Saudi Arabien (Rang 16)?

5. Trauen sie eine Garantie ihrer Rente eher Jeff Bezos zu oder Angela Merkel (Rang 3)?

Wenn alle Ihre Antworten auf die erste Option lauten, wäre es dann nicht sinnvoll - anstatt uns der Gefahr drohender Jahre der Gewalt und der Machtkämpfe zwischen abgehalfterten Potentaten auszuliefern - sofort flehentlich darum zu bitten: "Amazon & Co., bitte übernehmen Sie!"?

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